Meine erste Japan-Reise: Tokio, Kyoto und Osaka

Japan war für mich immer eines dieser Länder, die ich unbedingt mal sehen wollte, aber nie so wirklich die Gelegenheit dazu hatte – warum auch immer. Sicherlich waren auch die vermuteten sehr hohen Kosten immer ein Grund, warum ich mich dann doch nicht näher mit dem Thema auseinander gesetzt habe. Das änderte sich allerdings Ende 2013.

Zunächst fing es damit an, dass ich eine eMail von British Airways erhielt, in der günstige Preise nach Asien angeboten wurden, und zwar nicht nur in der Economy Class, sondern auch in der World Traveller Plus, der Premium Economy Class, welche einen deutlich größeren Sitzabstand bietet.

Als ich Ende 2013 nach Vancouver geflogen war, habe ich einen direkten Vergleich von Economy und Premium Economy erlebt: auf dem Hinweg in der regulären Economy war es schon sehr beengt, der Rückflug in der Premium Economy war tatsächlich komfortabel. Einen Flug in der Economy, der das Attribut „komfortabel“ verdient, war hatte ich schon lange nicht mehr erlebt. Insofern war für mich klar: wann immer es sich machen lässt, werde ich auf diese Klasse zwischen Economy und Business ausweichen.

Gesagt, getan: nachdem ein passender Termin gefunden war, die Flüge an diesen Daten auch zum gewünschten Preis erhältlich waren, habe ich meine Flüge gebucht. Hin sollte es, wie mit British Airways nicht anders zu erwarten: via London, nach Tokio Haneda gehen, zurück ab Tokio Narita auch wieder via London zurück.

Haneda ist der Flughafen, der deutlich näher an der Stadt liegt und in der Vergangenheit primär für Inlands- oder regionale Flüge benutzt wurde. Seit einigen Jahren wird der Flughafen aber auch mehr und mehr für Langstrecken benutzt. Für mich wird Haneda sicherlich der bevorzugte An- und Abflughafen für Tokio sein, wenn ich mich mal wieder in diese Richtung auf den Weg mache.

Nachdem ich mich für Flüge entschieden hatte, brauchte ich natürlich noch eine Route im Land. Die Orte, die ich besuchen wollte, waren für mich schon recht schnell klar gewesen: Tokio und Osaka waren von vorn herein als Ziele gesetzt, bei einem Blick auf die Karte fiel dann auch recht schnell die Wahl auf Kyoto als dritter Ort „dazwischen“.

Für die Fortbewegung im Land war auch sofort klar, dass mindestens eine Fahrt in einem Shinkansen, dem japanischen Hochgeschwindigkeitszug, dabei sein musste, auch einen Inlandsflug wollte ich dabei haben. Schlussendlich fiel die Wahl auf einen Fahrt mit dem Shinkansen von Tokio nach Kyoto, von dort per Nahverkehrszug weiter nach Osaka und von dort per Flugzeug zurück nach Tokio.

Am 19. Mai war es dann soweit – früh morgens hat mich Sabrina zum Flughafen gefahren, ohne Verspätung ging es dann bis Tokio.

 

Ankunft in Tokio

Nach fast 12 Stunden Flug (von London bis Tokio) bin ich am frühen Morgen auf dem Flughafen Tokio Haneda angekommen, der zu diesem Zeitpunkt insgesamt eigentlich doch ziemlich verwaist wirkte: fast überall leere Gates, kaum Flugzeuge auf dem Vorfeld unterwegs. Nach ein paar Minuten hielten wir dann an einem Gate, welches ich, im weitesten Sinne, als „Waldlauf-Gate“ bezeichnen würde: die Strecke von diesem Gate bis zur Passkontrolle war beeindruckend, dagegen ist die Strecke in Frankfurt von der Sicherheitskontrolle bis zum Gate A42 oder A44 (das hinterste Gate im Terminal 1A) gefühlt ein gemütlicher Spaziergang.

Dadurch, dass ich aus der Premium Economy heraus recht schnell aus dem Flugzeug aussteigen konnte, war die Schlange an der Einreise erfreulich kurz. Vom freundlichen Beamten wurde mein Pass kontrolliert, dann wurde ich per Webcam abgelichtet, zum Schluss sollten noch meine Fingerabdrücke eingescannt werden. Das stellte sich, warum auch immer, als schwierig heraus… ungefähr 5 oder 6 Anläufe waren nötig, wofür sich der Beamte mehrfach bei mir entschuldigte. Irgendwann war es dann aber so weit, alle Formalitäten waren abgeschlossen, ich durfte die Kontrolle passieren.

Mein Koffer tauchte kurze Zeit später auf dem Gepäckband auf, die Zollkontrolle war auch schnell durchlaufen – nun war ich offiziell endgültig im Land der aufgehenden Sonne angekommen.

Direkt im Terminal befand sich eine Touristen-Info, an der ich eine 72-Stunden-Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel in Tokio kaufen konnte. Diese Karte kann ich nur empfehlen, die öffentlichen Verkehrsmittel – vor allem die U-Bahnen – sind zum Erkunden der Stadt hervorragend geeignet.

Also ging ich weiter zur Monorail-Station, von wo aus ein Zug bis zur Station Hamamatsuchon fährt, wo man in die U-Bahn-Station Daimon gelangt.

Den direkten Weg habe ich dort zwar nicht gefunden und bin somit erst einmal um den halben Block gelaufen, aber dann fand ich einen Eingang, mit dessen Beschriftung ich etwas anfangen konnte. Bis dahin war ich zwar schon an mindestens 3 weiteren Eingängen vorbei gegangen, diese waren aber nicht mit der erwarteten Beschriftung der Tokyo Metro Line versehen, sondern mit dem Namen der Toei Line. Mit der Asakusa Line fuhr ich zur Station Shimbashi, von dort per Ginza Line nach Akasaka-mitsuke, eine Station, die per Tunnel direkt mit der für mich idealen Station Nagatacho verbunden war.

Bei dieser Ankunft an der Station hatte ich offenbar meine Augen nicht offen, denn die klare, deutliche und auch übersichtliche Beschilderung der Ausgänge bzw. welchen Ausgang man für welche Straße oder auch für welches Hotel man nehmen sollte habe ich übersehen und bin damit erst einmal am falschen Ende aus der Station heraus gegangen. Damit habe ich den Weg zum Hotel zwar um einiges verlängert, gefunden habe ich es dann aber doch recht schnell.

Leider wurde ich im Hotel dann auch gleich mit den – zu erwartenden – Worten empfangen, dass ich erst ab 14:00 Uhr einchecken könnte, zu diesem Zeitpunkt war es gerade einmal 9:30 Uhr und ich wollte nach meinem Flug liebend gerne unter die Dusche… aber, keine Chance. Allerdings hatte die Zustellung meiner japanischen SIM-Karte geklappt, wodurch ich immerhin mobil Internetzugang hatte.

In Japan dürfen Touristen bzw. Geschäftsreisende übrigens keine normale SIM-Karte mit Telefonnummer erwerben, sondern nur eine reine Datenkarte. Da ich von einer früheren Reise noch über einen akku-betriebenen UMTS-Router verfügte, war dies aber auch kein Problem. Über die Firma eConnect Japan war die Bestellung und Zustellung der Karte zum Hotel erfreulich unkompliziert.

Mein Gepäck konnte ich im Hotel lagern, danach ging ich auf meine erste Erkundungstour. Später erhielt ich dann ein Zimmer in der 20. Etage, von wo aus man einen hervorragenden Blick über die Umgebung und die benachbarten Hochhäuser hatte.

 

Der erste Rundgang durch Tokio

Auf diesem Rundgang hatte ich kein wirkliches Ziel, also bin ich einfach erst einmal los gegangen und hab mich an jeder Kreuzung spontan entschieden, wohin ich gehen wollte. Lange Zeit hatte sich kein wirkliches Ziel herauskristallisiert, bis mir der Tokyo Tower in der näheren Umgebung aufgefallen ist.

 

Tokyo Tower

Der Tokyo Tower ist eines der Wahrzeichen Tokios, vielleicht sogar das eigentliche Wahrzeichen: er ist definitiv eine der auffälligsten Bauwerke in der Stadt.

Als Erstes fällt auf, dass der Turm dem Eiffelturm ähnlich sieht, wobei die Bemalung in einem knalligen Orangeton mit weißen Bereichen natürlich schon vom Original abweicht. Mit 333m ist der Tokyo Tower auch in der Höhe dem Eiffelturm nicht wirklich unähnlich: 324m ist das Original in Paris hoch.

Von der ersten Aussichtsplattform in 150m Höhe hat man bereits einen sehr guten Ausblick über die Stadt, wobei der Ausblick aus dem kleinen Observatorium in 250m diese natürlich schon nochmals um einiges übertrifft.

Während meines Besuchs lag jedoch auch der Großteil Tokios im Dunst versteckt, weshalb der Blick nicht wirklich optimal war. Aber den Kernbereich der Stadt war gut zu sehen.

Wieder zurück auf der Hauptplattform drehte ich hier nochmals eine Runde um den Turm, wobei mir jetzt auch die Glasfenster im Boden auffielen, die „Lookdown Windows“: für viele ist es auch gleich eine entsprechende Mutprobe, sich auf diese Fenster zu stellen, einige Gruppen von Jugendlichen haben sich um die Fenster herum aufgestellt gehabt und sind nacheinander darüber hinweg gegangen. Einige haben es nur mit geschlossenen Augen geschafft, andere haben nur einmal ganz kurz die Augen auf gemacht und sind dann (teils mit lautem kreischen/quietschen) vom Fenster runter gesprungen, und einige wenige sind von vorn herein mit offenen Augen und dem Blick nach unten durch das Fenster hinüber gegangen.

Etwas merkwürdig fühlt es sich schon an, auf einem dieser Fenster zu stehen, auch wenn einem – rational gesehen – natürlich klar ist, dass diese Fenster stark genug ausgelegt sind, auch mehrere Besucher gleichzeitig auszuhalten.

Nachdem ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte habe ich mich – nach einem Blick auf die Uhr – auf den Rückweg zum Hotel gemacht.

 

Shibuya Crossing

Die wohl bekannteste Kreuzung Tokios: am nordwestlichen Ende der Shibuya-Station befindet sich eine Kreuzung, die tagtäglich (oder stündlich?) von zehn- bis hunderttausenden überquert wird. Alle paar Minuten läuft das Schauspiel auf die gleiche Weise ab: gerade fahren noch die letzten Autos über die Kreuzung, dann springen die Fußgängerampeln in alle Richtungen auf Grün. Die gerade noch menschenleere und autofreie Kreuzung ist binnen weniger Sekunden ein Meer von Passanten, die in jede nur erdenkliche Richtung gehen. Nach einiger Zeit beginnt sich die Kreuzung spontan wieder zu leeren, und schon fahren wieder die ersten Autos darüber.

Mal abgesehen davon, dass die Kreuzung durch die zahlreichen Leuchtreklamen sowieso schon ein Touristen-Magnet ist – aber dieses Schauspiel, welches sich den ganzen Tag bis in die späte Nacht hinein vollzieht, ist einfach zu schön anzusehen.

Die Bilder, die ich an bzw. auf der Kreuzung aufgenommen habe sind um ca. 21 Uhr am Abend entstanden, die Haupt-Welle der abendlichen Rush-Hour war da schon durch.

 

Ginza

An meinem zweiten Tag in Tokio sollte die Pracht-Einkaufsstraße, die Ginza, das erste Ziel sein. Leider war Petrus der Meinung, dass das keine gute Idee sei, es begann sehr stark zu regnen. Also entschloss ich mich kurzerhand, durch einige der großen Kaufhäuser auf der Straße zu laufen.

 

Shinjuku

Am Nachmittag besserte sich das Wetter zusehends, weshalb ich die Chance ergriff, einen weiteren Teil von Tokio zu besuchen. Die Wahl fiel jetzt auf Shinjuku.

Die Entscheidung hatte mehrere Gründe. Zum einen gilt dieses Viertel auch als eines der beliebtesten bei den Japanern selbst, außerdem gibt es hier eine größere Menge an Kamera-Geschäften. Da ich nämlich sinnigerweise mein Akku-Ladegerät zuhause gelassen hatte, hatte ich beschlossen, mir hier ein neues zu kaufen.

Rückblickend kann ich sagen, dass es klar war, dass auch hierbei dann Murphy’s Law zuschlagen würde: ich habe ein Ladegerät gekauft, also war von vorn herein klar, dass ich es nicht brauchen würde. Hätte ich keines gekauft….

So war es mir in jedem Fall lieber, ein zweites Ladegerät für die Kamera-Akkus kann nie schaden.

 

Yurikamome Line

Der letzte Ausflug dieses Tages führte mich nach Shimbashi, von wo aus ich mit der Yurikamome Line bis nach Toyosu gefahren bin. Auf dem Weg dorthin fährt man mit dieser vollautomatisierten (fahrerlosen) Bahn über eine künstliche Insel, die in der Bucht von Tokio aufgeschüttet wurde.

Auf der Fahrt geht es durch Hochhäuser-Schluchten hindurch, über die Regenbogen-Brücke hinweg, über die Insel Odaiba vorbei an einem Vergnügungspart sowie an Einkaufszentren und Autohäusern, an Hafenanlagen und Lagerhäusern vorbei, bis man, wieder inmitten einer Hochhaus-Wohnsiedlung an der Endstation Toyosu ankommt.

 

Der östliche Garten des Kaiserpalastes

Von meinem Hotel aus waren es nur ein paar Minuten zu Fuß bis zum Gelände des Kaiserpalastes. Öffentlich zugänglich ist davon allerdings nur der Garten auf der nordöstlichen Seite, ansonsten kann man nur von der Straße aus diverse Zufahrtstore sehen.

Das Gelände ist von einem breiten „Schlossgraben“ umgeben, entlang der Innenseite sieht man regelmäßig Soldaten patroullieren, damit es kein Eindringlich auf das Gelände schafft.

Am Tor zum Garten bekommt man eine Art Schlüsselanhänger als „Eintrittskarte“, die man dann am Ausgang wieder abgeben muss. Auf diese Weise wird kontrolliert, dass auch wirklich jeder Besucher am Ende der Öffnungszeiten wieder aus dem Park raus ist.

Auf dem Gelände befinden sich zahlreiche Ruinen bzw. Überbleibsel von alten Gebäuden, die hier früher einmal standen.

Kurz nachdem ich den Park verlassen hatte, begann ein heftiger Regenguss, weshalb ich meinen Plan, zu Fuß weiter zu gehen, aufgeben und in die U-Bahn umsteigen musste.

 

Yoyogi Park & Meiji Jingu

Im Tokioter Stadtbezirk Shibuya befindet sich der Yoyogi Park, am Wochenende einer der großen Treffpunkte für Jugendliche. Aber auch in der Geschichte Japans spielt der Park eine bedeutende Rolle: 1910 fand hier der erste motorisierte Flug Japans statt, nach dem zweiten Weltkrieg waren an seinem Rand- unter dem Namen „Washington Heights“ – von den amerikanischen Truppen Wohnquartiere errichtet, bei den olympischen Spielen 1964 wiederum wurde die Fläche des Parks auch genutzt, bevor er danach zum öffentlichen Park umgestaltet wurde.

Hier befindet sich auch ein von der Ehefrau des Meiji-tenno angelegter Garten, der – gegen eine überschaubare Eintrittsgebühr – für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Auf dem Weg in den Park hinein passiert man große Strukturen mit mehreren Sake- sowie Wein-Fässern. Diese wurden dem Schrein – Meiji Jingu – gespendet, im Falle der Weinfässer, von Weingütern der Bourgogne in Frankreich.

Auf dem Rückweg zum Hotel kam ich noch durch eine kleine Einkaufsstraße, die Omotesando Street. Hier reihten sich zahlreiche Independent Label für Bekleidung aneinander, sowie auch viele der großen Marken.

 

Der Schrein des Anstoßes: Yasukuni

Ein weiterer Shinto-Schrein auf meiner Tour war der Yasukuni Schrein in Tokio.

Grundsätzlich ist der Yasukuni Schrein erst einmal ein Schrein, in dem an die Toten von Kriegen erinnert wird. Allerdings liegt genau an der Stelle auch das Problem, denn in diesem Schrein werden auch einige in Prozessen verurteilte Kriegsverbrecher als „Heldenseelen“ verehrt. Diese Tatsache führt auch innerhalb Japans dazu, dass die Mehrheit – wenn auch eine knappe Mehrheit aller Japaner – dagegen ist, dass der Schrein von Politikern zu Festlichkeiten besucht wird. Vor Allem der Besuch am 15. August, der Tag der Kapitulation Japans am Ende des 2. Weltkrieges, wird von vielen als problematisch empfunden, da hier auch eine Beschönigung der Verbrechen Japans gesehen wird.

Viele Politiker entschlossen sich auch dazu, den Schrein nur „privat“ zu besuchen, und nicht in ihrer offiziellen Funktion, zum Beispiel als Premierminister. Es ist aber auch keine Überraschung, dass dieser kleine Unterschied von den regionalen Nachbarn Japans bestenfalls als schlechte Ausrede gesehen wird.

Im Gegensatz zu den Politikern haben die japanischen Kaiser – die Tenno – den Schrein seit 1979 nicht mehr betreten.

Abseits der politischen Kontroverse bleibt der Schrein natürlich auch ein Ort des Gedenkens, und zwar natürlich auch nicht nur der Kriegsverbrecher. Hier wird auch den Kriegswittwen, den -waisen, sowie auch den im Kampf umgekommenen Tieren – zum Beispiel Pferden und Hunden – gedacht.

Je nachdem, von welcher Seite aus man den Schrein betritt (ich bin durch den Seiteneingang hinein und durch den eigentlichen Haupteingang raus gegangen), merkt man allerdings schon, dass dieser Schrein – in Ermangelung einer besseren Beschreibung – „anders“ ist. Die Torii, durch die man das Gelände betritt, sind (sichtbar) aus Eisen/Stahl gefertigt, auf dem Gelände befinden sich Modelle von Kriegsschiffen, auch ein Museum mit einem Jagdflugzeug aus dem 2. Weltkrieg ist hier zu finden.

Alles in Allem ein deutlicher Kontrast zu der sonst eher ruhigen und friedlichen Atmosphäre, die man auf dem Gelände eines Schreins sonst vorfindet.

 

Kitanomaru National Garden

Der Kitanomaru Park ist seit 1969 für die Öffentlichkeit zugänglich. Er liegt genau zwischen dem Yasukuni Schrein und dem Gelände des Kaiserpalastes.

 

Zu Fuß bis Shinbashi

Vom Kitanomaru Park aus bin ich dann um den Kaiserpalast herum weiter in Richtung Südosten gegangen, am „Schlossgraben“ entlang, der an verschiedenen Stellen von Brücken überquert wird. Hier befindet sich, ganz in der Nähe der Metro-Station Otemachi, auch ein Zugang zum östlichen Garten des Kaiserpalastes.

Von dort hatte mich mir zunächst noch überlegt, ob ich oer Metro weiter fahre, habe mich dann aber doch dazu entschlossen, weiter zu laufen. Mein erstes Ziel war der nahegelegene Hauptbahnhof von Tokio, von dem aus ich am folgenden Tag in Richtung Kyoto fahren würde. Viel zu sehen oder zu erledigen gab es hier allerdings nicht, da ich meine Fahrkarte bereits gekauft hatte.

Im Zick-Zack-Muster ging es für mich nun weiter, bis ich den Bezirk Ginza durchquert hatte und am Bahnhof Shinbashi angekommen war. Hier waren Menschenmassen unterwegs: Menschen auf dem Weg zur Bahn, in Restaurants oder in die allgegenwärtigen Pachinko-Spielhallen.

Hier fand ich auch ein gut aussehendes Udon-Nudel-Restaurant, in dem ich mein letztes Abendessen in Tokio gegessen habe. Gut gesättigt bin ich dann wieder in mein Hotel zurück gefahren, um meinen Koffer zu packen.

 

Shinkanzen & Mount Fuji

Zeit für einen Ortswechsel.

Hier kam dann auch ein bisschen der technikbegeisterte Teil meiner Persönlichkeit durch. Ich war in Japan, dem Land, in dem weltweit die ersten Hochgeschwindigkeitszüge eingesetzt wurden – und zwar schon seit vor meiner Geburt.

Ein paar Tage zuvor hatte ich mir am Bahnhof die Verbindung herausgesucht, an den Fahrkartenautomaten der Japan Railways war das unproblematisch. Nur eine Online-Buchungsmöglichkeit habe ich vergeblich gesucht: es gibt zwar die Möglichkeit, online Fahrpläne zu durchsuchen, aber eine Buchung ist nicht möglich.

Ich wollte so gegen 11 Uhr los fahren – und zu meiner Überraschung wurden mir Shinkansen-Verbindung um 11:00 Uhr, 11:10 Uhr und 11:20 Uhr angezeigt. 3 Hochgeschwindigkeitszüge binnen 20 Minuten! Wenn man bedenkt, dass in Deutschland die ICE-Verbindungen im Idealfall stündlich laufen…

Ungefähr um 10:30 Uhr fand ich mich am Bahnhof ein, man kann ja nie wissen, ob der Zug nicht vielleicht doch auf einem anderen Gleis fährt… oder in umgekehrter Wagenreihung… oder es sind plötzlich zwischendrin ein paar Wagen gesperrt… aber hier passiert so etwas nicht: kein einziger Zug, den ich entweder gesehen habe, oder mit dem ich unterwegs war (fairerweise muss ich sagen, dass das gerade einmal zwei Züge waren) war auch nur eine Minute verspätet, die Wagen waren sauber und in technisch einwandfreiem Zustand, in der richtigen Reihenfolge am angegebenen Bahnsteig…

Mit meiner Fahrkarte hatte ich mir eine Sitzplatzreservierung im „Green Car“ gebucht, was der ersten Klasse entspricht. Hier hat man etwas mehr Beinfreiheit, außerdem befinden sich nur 4 statt 5 Sitze in jeder Reihe. Zu meiner Freude befand sich der Sitzplatz auf der rechten Seite des Zuges: beim Blick auf die Landkarte hatte ich mir „ausgerechnet“, dass auf dieser Seite der Mount Fuji zu sehen sein würde. Zu meiner Freude sollte ich hierbei Recht behalten.

Ein weiterer – kultureller – Unterschied zwischen der Deutschen Bahn (und den meisten weiteren europäischen Bahngesellschaften) und Japan: statt einem lustlosen „Fahrkarten!“ oder dem schon freundlicheren „Die Fahrkarten, bitte!“ wurde man hier mit einer Verbeugung begrüßt, dann sehr freundlich („Sir, may I have your ticket, please?“) um die Fahrkarte gebeten, nach der Kontrolle wurde sie dann mit dem Satz „Thank you very much, everything is in order. I wish you a very pleasant journey“ zurückgegeben. Danach folgte noch eine Verbeugung in meine Richtung, dann ging es weiter zum nächsten Fahrgast, bei dem die gleiche Routine dann wieder von Vorne begann. Alles, ohne Hektik, ohne Drängeln, immer in einem freundlichen und zuvorkommendem Tonfall. Auch bei jedem Betreten oder Verlassen des Wagons haben sich die Mitarbeiter der Bahngesellschaft zu den Fahrgästen gedreht und sich verbeugt.

Ob das auf allen Fahrten so abläuft kann ich zwar nicht beurteilen, ich bin ja nur einmal mit dem Shinkansen gefahren. Aber auch auf der noch folgenden Fahrt mit einem Nahverkehrszug nach Osaka war das Personal immer freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit.

Nach nicht ganz 2 Stunden und 20 Minuten ist mein Zug pünktlich im Bahnhof von Kyoto angekommen.

 

Ein erster Rundgang durch Kyoto

Der Bahnhof von Kyoto ist schon ein beeindruckendes Gebäude – 15 Etagen hoch und fast einen halben Kilometer lang. Ein komplettes Einkaufszentrum und unzählige Geschäfte, die Matcha-basierte Produkte aller Art verkaufen.

Zunächst bin ich aber erst einmal in mein Hotel gegangen, welches sich auf der Rückseite des Bahnhofs befand.

Nachdem ich mein Gepäck losgeworden war, ergab sich zunächst eine ganz profane Notwendigkeit: Bargeld. In Tokio war es kein Problem gewesen, gleich der erste Geldautomat, an dem ich versucht hatte Geld abzuheben, war kooperativ.

In Kyoto sah das anders aus.

Ich war schon kurz davor mir eine Fahrkarte nach Osaka zu kaufen, da ich hoffte, dass dort die Geldautomaten wieder freundlicher gesinnt sein würden, da entschied ich mich zunächst noch dazu, doch nochmals in einem weiteren, leicht schäbig wirkenden, Kaufhaus nach einem Geldautomaten zu suchen. Nach ca. 90 Minuten Suche und dem Ausprobieren von ca. 10 bis 15 Geldautomaten hatte ich endlich einen gefunden, an dem ich Geld abheben konnte.

Von dort aus bin ich dann noch etwas in Richtung Stadtzentrum gegangen. Als ich an der Shijo-Dori am Kamo angekommen war, waren nicht nur meine Füße platt, es war auch so Zeit, zum Hotel zurück zu kehren.

 

Kosho-Ji & Nishi Hongan-Ji Tempel

Nur wenige Fußminuten von meinem Hotel aus waren die ersten größeren Tempel zu finden: der erste Tempel war der Kosho-Ji Tempel.