Ein erster Ausflug ins Baltikum: Riga

Das Osterwochenende 2015 war vom Datum her sehr praktisch gelegen: mein Geburtstag lag genau an diesem Wochenende. Da wir auch mal wieder ein neues Ziel ansteuern wollten, aber nicht gleich wieder den halben Tag im Flugzeug verbringen wollten, kam nur ein Ziel in Europa in Frage, gerne eines, welches wir beide noch nicht besucht hatten. Die Wahl fiel auf Riga.

Die Wahl wurde uns, zugegebenermaßen, durch richtig günstige Flugpreise von Air Baltic nicht schwer gemacht. Als wir dann noch ein gutes Angebot für ein Hotel bei Secret Escapes gefunden haben, war die Wahl endgültig festgelegt.

Am 3. April fuhren wir also gegen Mittag zum Flughafen, um am frühen Nachmittag mit der bereits erwähnten Air Baltic, Lettlands ehemals staatlicher nationaler Fluggesellschaft, nach Riga zu starten. Als Fluggerät kam eine nicht mehr ganz taufrische Boeing B737-500 (Baujahr 1992) zum Einsatz.

Am Service während des Fluges ließ sich nichts aussetzen, die Flugbegleiterinnen waren freundlich. Und wäre nicht der unsäglich nervende Passagier in der Reihe vor uns gewesen, der ein Bier nach dem nächsten bestellt hat und dabei mit seiner verspiegelten Sonnenbrille krampfhaft versucht hat cool auszusehen, dann wäre der Flug sicher noch eine Spur angenehmer gewesen.

Nach etwas über zwei Stunden landeten wir in Riga, holten unser Gepäck vom Band ab und waren, kurz darauf, vor dem Flughafen an der Haltestelle für den Air Baltic Bus in die Stadt. Sehr praktisch war dabei, dass unser Hotel eine der Haltestellen des Busses auf dem Weg in die Stadt war.

Die Fahrt in die Stadt hat, auch wegen der vielen Halte an anderen Hotels, fast eine Stunde gedauert, aber dann waren wir endlich an unserem Hotel, dem Monika Centrum Hotel, angekommen.

Monika Centrum Hotel

Das Hotel liegt etwas außerhalb vom Zentrum Rigas, direkt gegenüber vom Kronvalda-Park. Vom Hotel aus geht man vielleicht 10 Minuten bis zur Altstadt, die Distanz ist also durchaus zu verkraften.

Nachdem wir es uns in unserem Zimmer gemütlich gemacht hatten und uns etwas aufgefrischt hatten, ging es auch gleich ins Restaurant zum Abendessen: dadurch, dass Lettland eine Stunde Zeitunterschied zu Deutschland hat, war es inzwischen Zeit dafür geworden.

Das Restaurant „Sokrats“ hat uns mit einem ausgesprochen leckeren Abendessen gleich am Ankunftsabend überzeugt, und sollte uns auch bis zu unserer Abreise nicht enttäuschen.

Ein bisschen schade fanden wir nur, dass wir teilweise die einzigen Gäste waren, oder nur ein oder zwei weitere Tische belegt waren: aber vielleicht ist Anfang April auch einfach nicht die klassische Reisezeit, um Riga zu besuchen.

Kronvalda Park

Direkt auf der anderen Straßenseite vom Hotel liegt der Kronvalda Park. Dieser in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der Deutschen Schützengesellschaft angelegte Park steht seit ca. 1930 den Einwohnern Rigas zur Verfügung. Der Stadtkanal verläuft dabei in der Mitte durch den Park hindurch.

Bastejkalns Park

Beinahe nahtlos an den Kronvalda Park schließt sich, auch wieder nur getrennt durch eine Straße, der Bastejkalns Park an.

Zugegeben, als wir in Riga waren wirkte der Park noch ein bisschen trostlos, aber die bereits angelegten Beete ließen erahnen, wie bunt es hier durch Blumen, Sträucher und Bäume werden würde, sobald der Frühling ankommt. Wie in vielen anderen Städten der Welt fand sich natürlich auch hier eine Brücke, an der verliebte Schlösser mit ihren Namen am Geländer befestigt haben.

Am südlichen Ende des Parks befindet sich das vom lettischen Bildhauer Karls Aale entworfene, fast 43 Meter hohe, Freiheitsdenkmal, welches bis 1935 erbaut wurde.

Am Denkmal befinden sich 56 Skulpturen, die an verschiedene Figuren und Ereignisse aus der lettischen Geschichte erinnern. Auf der Spitze des Obelisken steht eine Frau, die drei Sterne über ihrem Kopf hält, die die drei lettischen kulturhistorischen Regionen symbolisieren.

Während der Zeit, in der Lettland Teil der Sowjetunion war – bzw. von dieser besetzt war, je nachdem, wie man es formuliert – waren Versammlungen am Denkmal verboten. Seitdem Lettland wieder ein unabhängiges Land ist, ist am Fuße des Denkmals eine Ehrenwache postiert.

Kristus Piedzimsanas Pareizticigo Katedrale

Die Kristus Piedzimsanas Pareizticigo Katedrale, oder Christi-Geburt-Kathedrale, ist das größte orthodoxe Gotteshaus in Riga. Während der Sowjetzeit wurde sie als Planetarium und Restaurant benutzt, seither wurde sie aber wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung übergeben.

In der ursprünglichen Planung der Kirche war kein Glockenturm vorgesehen: dieser musste jedoch kurzfristig hinzu geplant werden, da der russische Zar Alexander II. der Kathedrale unerwartet 12 Glocken schenkte.

Die Einweihung der Kathedrale erfolgte im Oktober 1884, seinerzeit war sie das teuerste Gebäude in der ganzen Stadt Riga. Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts überstand sie ohne Schäden, wurde dann aber in den 1960er Jahren geschlossen. Das Kreuz wurde abgebaut, die Glocken abgenommen und eingeschmolzen und das Gebäude, wie bereits erwähnt, zu einem Planetarium umgebaut – mit dem Namen „Haus des Wissens“.

Rigas Altstadt

Seit 1997 ist die Altstadt Rigas Bestandteil des UNESCO Weltkulturerbes. Unzählige Baustile finden sich in den teils schmalen Gassen, einige Häuser davon mit modernen Elementen (meist) passend erweitert, an anderen Stellen finden sich aber auch die klassischen Bausünden der 50er, 60er und 70er Jahre, wie man sie nicht nur in den ehemals sowjetischen Ländern Europas findet.

Skanste

Am Morgen unseres zweiten vollen Tages in Riga sind wir vom Hotel aus erst einmal nicht in Richtung Altstadt, sondern durch das nördlich vom Zentrum (und unserem Hotel) gelegene Viertel Skanste gelaufen.

Vom Baustil her größtenteils gar nicht mal so unterschiedlich zur Altstadt, aber dafür um ein vielfaches ruhiger: hier fanden sich nicht dutzende Cafés, Geschäfte und Restaurants, sondern primär Wohnungen und Häuser.

Manche davon waren bereits sehr schön renoviert worden, andere befanden sich in einem fast schon abbruchreifen Zustand.

Nachdem wir unseren Rundgang durch Skanste beendet hatten, wollten wir uns als nächstes die südlich der Altstadt gelegene Moskauer Vorstadt ansehen. Auf dem Weg dorthin sind wir zunächst am Hauptbahnhof Rigas durch einen mit Comics an den Wänden bemalten Tunnel auf die andere Seite einer mehrspurigen Straße gelangt.

Rigas Centraltirgus

Auf der anderen Seite des Hauptbahnhof kamen wir dann erst einmal zum zentralen Markt von Riga: vier riesige Hallen sowie ein nahezu unüberschaubares Außengelände, auf dem man so ziemlich alles kaufen konnte.

Latvijas Zinatnu Akademija

Unweit vom Zentralmarkt sieht man – auch aus größerer Entfernung – bereits ein geradezu pompöses Gebäude: hierbei handelt es sich um die Akademie der Wissenschaften, die in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erbaut wurde. Von hier aus soll man auch einen hervorragenden Blick über Riga genießen können, in der 16. Etage befindet sich eine Aussichtsplattform. Leider war uns das zum Zeitpunkt unseres Besuchs nicht bekannt, aber ich wäre auch überrascht, wenn wir in der Zukunft nicht nochmals nach Riga reisen sollten.

Maskavas Forstate

Um die Akademie der Wissenschaften herum befindet sich der Teil Rigas, der auch unser Ziel war: die Moskauer Vorstadt.

Hier sieht die Architektur dann gleich deutlich anders aus als in der prunkvollen und schön restaurierten Altstadt: eher trostlose Gebäude, viele am Rande des Zerfalls, wobei man bei vielen noch erkennen kann, dass sie einmal durchaus sehr schön gewesen sein müssen. Hoffentlich kommen auch hier in nicht zu ferner Zukunft Gelder für die Renovierung an.

Agenskalns

Auf der anderen Seite der Daugava befindet sich ein weiteres, sehr sehenswertes, Viertel von Riga: Agenskalns bzw. Kalciems. Auch hier ändert sich die Architektur wieder ganz deutlich, denn zunächst kommt man, wenn man die Atmens Tilts („Steinbrücke“) in Richtung Westen überquert hat, direkt an der neuen lettischen Nationalbibliothek vorbei.

Wie heißt es doch immer: wenn man nichts gutes über jemanden bzw. etwas sagen kann, dann soll man lieber nichts sagen. Ich werde daher zur Nationalbibliothek lieber nichts schreiben – ich denke, die Bilder sprechen für sich.

Im weiteren Verlauf unserer Wanderung durch dieses Viertel kamen wir an zahlreichen Holzhäusern, aber vor Allem auch an einer ausgesprochen schönen Kirche vorbei, vermutlich eine russisch-orthodoxe Kirche: leider konnte ich bisher nichts weiteres über diese herausfinden.

Nach unserem Rundgang kehrten wir über die Vansu Tilts (früher als Gorki-Brücke bekannt) wieder in die Altstadt zurück.

Der nächste Tag brachten dann auch bereits das Ende unseres verlängerten Wochenendes in Riga. Das nächste Mal wollen wir definitiv zu einer wärmeren Zeit reisen, denn auch wenn es während unseres Aufenthalts nicht ganz so kalt war, wie wir es zunächst befürchtet hatten, so wären ein paar Grad mehr doch angenehm gewesen.

 

 

 

 

 

 

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