Indien & Nepal 2012: Über die Grenze: von Varanasi nach Lumbini

Am nächsten Morgen war es dann so weit – unsere nächste längere Strecke, dieses Mal sollte es aber nicht mehr per Zug weiter gehen, sondern per Bus: die Strecke dieses Tages sollte uns von Varanasi aus in Richtung Norden durch unzählige kleine Dörfer und eine Hand voll kleinere bis mittlere Städte führen.

An unseren Fenstern zogen viele Märkte, Geschäfte, Häuser, Hütten, Restaurants, Felder, Tempel, Flüsse sowie Eisenbahnstrecken – an deren Bahnübergängen wir dann wieder das beliebte Spielchen „alle so weit wie möglich und in so vielen Spuren wie möglich direkt an die Schranke“ beobachten – vorbei, bis wir dann nördlich von Nautanwa an der Grenze ankamen.

Unser Bus brachte uns aber nicht über die Grenze, sondern nur bis kurz davor – die letzten paar hundert Meter mussten wir zu Fuß gehen, mit unserem Gepäck. Während wir nun also die Straße entlang gingen, und dabei wieder einmal von einer ganzen Heerschar von Händlern mit den bestmöglichsten Angeboten für so ziemlich alles Mögliche beglückt wurden, ging unser Tourguide plötzlich auf ein Haus mit einem breiten Vorhang in der Front zu und zog diesen beiseite… erst jetzt fiel mir der Schriftzug „Immigration“ darüber auf. Wäre ich alleine unterwegs gewesen, ich hätte mich wahrscheinlich dumm und dusselig nach dem Schalter für die Ausreise aus Indien gesucht.

Also ging es mit allen 16 (inkl. Tourguide) von uns hinein in die „Amtsstube“ – direkt hinter dem Vorhang stand ein breiter Tisch an dem 4 oder 5 Männer saßen, mit Blick hinaus auf die Straße, allerdings sollten wir uns nicht vor, sondern hinter den Tisch (und den daran sitzenden Männern) begeben. Das Ganze kam den meisten von uns zwar irgendwie merkwürdig vor, denn immerhin saßen die Herren damit mit dem Gesicht von uns weg (in Richtung Straße blickend) an ihrem Tisch, wir befanden uns hinter ihren Rücken – aber schlussendlich funktionierte es. Jeder von uns bekam seinen Ausreisestempel, einige ließen sich den Vermerk eintragen, dass sie kurz darauf wieder nach Indien einreisen würden (denn normalerweise müssen zwischen Ausreise und Wiedereinreise zwei Monate vergehen), und schon hatten wir unsere Pässe wieder.

Weiter ging es, wieder zu Fuß, in Richtung der eigentlichen Grenze – ein Tor, durch welches man Indien verlässt, danach überquert man ca. 5 Meter „Niemandsland“, dann kommt ein weiterer Torbogen, durch den man nun Nepal betritt.

Kurz dahinter ging es dann wieder zu einem Haus am Rande der Straße, dieses Mal für die Einreise nach Nepal. Praktischerweise hatten Sabrina und ich das Visum für Nepal bereits im Konsulat in Frankfurt erhalten, daher wurden unsere Pässe nur kontrolliert und abgestempelt, Formulare gab es für uns keine zum ausfüllen, insofern hatten wir „Freizeit“, bis unsere Mitreisenden allesamt ihre Formulare ausgefüllt und ihre Visa erhalten hatten.

Als auch das erledigt war ging es nochmals ein paar Meter zu Fuß weiter auf den daneben liegenden Parkplatz, auf dem nun unser Bus, samt Fahrer und Helfer, warteten, um mit uns in Richtung Lumbini abzufahren. Das Gepäck wurde auf dem Dach des Busses verstaut, wir im (klimatisierten) Innenraum, und schon ging es los.

Für die 28 Kilometer, die noch zu fahren waren, wurden uns auf dem Schild an der Grenze gemütliche 1:30h angezeigt, was einer Durschnittsgeschwindigkeit von knapp unter 19km/h bedeutet – und, tatsächlich, brauchten wir deutlich über eine Stunde bis zu unserem Ziel, wenn auch nicht ganz 90 Minuten.

Schon auf dieser ersten Fahrt fielen uns aber deutliche Unterschiede zu Indien auf: zunächst wird in Nepal in der Tat wesentlich „gemütlicher“ gefahren als in Indien, aber – vor allem – wird leiser gefahren: in der gesamten Zeit in Nepal haben wir nicht so viele hupende Autos (oder LKWs) gesehen bzw. gehört, wie in Indien an einem einzigen Vormittag.

Am Ende unserer Fahrt – die gesamte Strecke des Tages dürfte ca. 350km betragen haben – kamen wir kurz vor Sonnenuntergang in Lumbini am Buddha Maya Garden Hotel an.

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